Am 17. April war ich in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen und habe die Ausstellung: “Sednaya – Die Architektur von Repression und Tod in Syrien” besucht. Für mich war das kein gewöhnlicher Termin. Es war eine Rückkehr an einen Ort, den ich kurz nach dem Fall des Assad-Regimes selbst gesehen habe und der mich seitdem nicht loslässt. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir die Kälte, die Dunkelheit und der Geruch. In Sednaya wurde jahrzehntelang systematisch gefoltert, gedemütigt und getötet.
Genau hier setzt die Ausstellung an, die vom Prisons Museum e.V. in Kooperation mit UMAM Documentation & Research realisiert wurde. Sie rekonstruiert das Gefängnis als Tatort und macht sichtbar, was das Regime über Jahre verborgen hat. Grundlage sind hunderte Interviews mit ehemaligen Gefangenen, wochenlange Dokumentation vor Ort und eine Vielzahl gesicherter Materialien. Daraus ist eine präzise architektonische Rekonstruktion entstanden, die sowohl als Pläne als auch als dreidimensionale Modelle erfahrbar wird. Mit Virtual-Reality-Brillen bewegt man sich durch das Gefängnis, steht in Zellen, in denen bis zu 70 Menschen auf engstem Raum eingesperrt waren, und bekommt eine Vorstellung davon, wie dieses System der Repression und Entmenschlichung funktioniert hat.











Die Arbeit des Prisons Museum ist zentral für jede ernsthafte Aufarbeitung. Transitional Justice beginnt damit, Beweise zu sichern, Strukturen offenzulegen und Zeug*innen eine Stimme zu geben. Und sie bedeutet, diese Informationen zugänglich zu machen. Das Prisons Museum sammelt auch Daten über den Verbleib von Verschwundenen. Für Angehörige ist das oft die erste Möglichkeit, Gewissheit zu bekommen. Gleichzeitig entsteht damit eine Grundlage für zukünftige Strafverfolgung. In meinen Gesprächen in Syrien habe ich immer wieder gehört, wie entscheidend genau das ist. Viele Menschen wollen vor allem wissen, was mit ihren Liebsten passiert ist. Diese Wahrheit ist der erste Schritt zu Gerechtigkeit. Nach dem Wegfall wichtiger Mittel aus den USA ist es umso wichtiger, dass Deutschland und die Europäische Union diese Arbeit stärker unterstützen. Denn sie schafft die Grundlage für Aufarbeitung, für Versöhnung und für ein Syrien, das auf Recht und nicht auf Willkür basiert.
Dass diese Ausstellung in der Gedenkstätte Hohenschönhausen gezeigt wird, ist kein Zufall. Dieser Ort steht selbst für politische Verfolgung und staatliche Gewalt. Die Ausstellung ist noch bis zum 27. September 2026 täglich von 10-18 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei. Weiterführende Infos, Interviews und Zugang zum virtuellen Museum vom Prisons Museum findet ihr hier: Webseite und Youtube-Kanal