Gemeinsam mit der Naturschutzgesellschaft Vorpommern habe ich mir bei einer Exkursion zur Insel Ruden vor Ort angesehen, wie natürliche Küsten- und Meereslebensräume geschützt und wiederhergestellt werden können. Denn die Ostsee ist stark belastet. Überdüngung, Verschmutzung, Überfischung und die Klimakrise führen unter anderem zu Algenwachstum, Sauerstoffmangel und dem Verlust wichtiger Lebensräume. Weil das Ökosystem bereits geschwächt ist, kann es weitere Belastungen immer schlechter verkraften. Umso wichtiger sind Projekte, die der Natur wieder mehr Raum geben.
Ein europäisches Schutzgebiet vor unserer Haustür
Die Insel Ruden ist Teil der DBU-Naturerbefläche Peenemünde und steht als europäisches FFH- und Vogelschutzgebiet sowie Natura-2000 Gebiet unter besonderem Schutz. Bei unserem Rundgang wurde sichtbar, wie wertvoll und zugleich empfindlich diese Küstenlandschaft ist. Insbesondere für zahlreiche Brut-, Rast- und Wasservögel ist das Gebiet von großer Bedeutung.
Auf dem Ruden sollen ungestörte Lebensräume für bedrohte Strandbrüter wie Zwergseeschwalbe und Sandregenpfeifer entstehen. Geplant ist außerdem eine Sandbank, die auch Robben einen geschützten Rückzugsort bieten könnte. Wegen langwieriger Genehmigungs- und Zuständigkeitsfragen kommt das Vorhaben bislang jedoch nicht voran. Das zeigt ein grundsätzliches Problem: Während Eingriffe in die Natur oft schnell genehmigt werden, stoßen konkrete Renaturierungsprojekte noch immer auf hohe bürokratische Hürden.



Neue Seegraswiesen für die Ostsee
In den nächsten Wochen werden in einem Projekt von Rewilding Oder Delta zwischen dem Ruden und der Greifswalder Oie neue Seegraswiesen angelegt. Seegras ist ein wahres Multitalent: Es speichert Kohlenstoff, stabilisiert den Meeresboden, verbessert die Wasserqualität und bietet Fischen und anderen Meerestieren Schutz sowie wichtige Laich- und Aufwuchsgebiete.
Meeresschutz sichert die Zukunft der Küstenregion
Die Exkursion hat mir eindrücklich gezeigt, dass wir die Ostsee nicht nur vor neuen Belastungen schützen, sondern auch bereits geschädigte Lebensräume wiederherstellen müssen. Seegraswiesen, Riffe und natürliche Sandflächen stärken die Artenvielfalt und können die Folgen von Überschwemmungen und Küstenerosion abmildern. Wer die natürlichen Schutzfunktionen der Ostsee stärkt, schützt auch Menschen, Gemeinden und die regionale Wirtschaft.
Dafür braucht es eine bessere Zusammenarbeit zwischen Behörden und Naturschutz sowie eine verlässliche Finanzierung. Die europäische Wiederherstellungsverordnung bietet dafür einen wichtigen rechtlichen Rahmen: Bis 2030 sollen Wiederherstellungsmaßnahmen mindestens 20 Prozent der Landflächen und 20 Prozent der Meeresflächen der EU erfassen.