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Die Oder braucht Schutz statt Ausbau

Im ODER~SO-Projekt hat das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) gemeinsam mit weiteren Forschungspartnern untersucht, wie es zur Umweltkatastrophe an der Oder im Sommer 2022 kommen konnte, wie sich der Fluss seitdem entwickelt hat und welche Maßnahmen ihn künftig widerstandsfähiger machen können. Letzte Woche wurden die Ergebnisse des Projekts bei einem Abschluss-Symposium in Schwedt vorgestellt.

Die zentrale Botschaft ist deutlich: die giftbildende Goldalge Prymnesium parvum ist inzwischen in großen Teilen des Odersystems angekommen und wird nicht wieder verschwinden. Gefährlich wird sie vor allem, wenn hohe Salzgehalte, viele Nährstoffe, niedrige Wasserstände und hohe Temperaturen zusammenkommen. Die Klimakrise macht solche Situationen wahrscheinlicher.

In ihrem Abschlussbericht formulieren die Wissenschaftler*innen klare Empfehlungen für die Politik. Die Oder darf nicht weiter an ihre Belastungsgrenze gedrückt werden. Salzeinleitungen aus polnischen Bergwerken müssen sinken, Nährstoffeinträge aus Landwirtschaft und Abwasser reduziert, Nebengewässer wieder angebunden, Auen revitalisiert und Wasser besser in der Landschaft gehalten werden. Dazu braucht es ein dauerhaftes Monitoring, das Risiken früh erkennt und Behörden schneller handlungsfähig macht.

Auf dem Symposium ging es auch um den weiteren Ausbau der Oder, der im deutsch-polnischen Abkommen von 2015 beschlossen wurde. Auf deutscher Seite arbeitet die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung weiterhin an der Strategischen Umweltprüfung für die geplanten Maßnahmen. Dabei wurde betont, der Ausbau solle so umweltfreundlich wie möglich gestaltet und die Folgen der Umweltkatastrophe berücksichtigt werden.

Doch nach den vorgestellten Forschungsergebnissen stellt sich für mich erneut die grundlegende Frage, warum Deutschland und Polen weiter an einem elf Jahre alten Abkommen festhalten, statt es mit dem heutigen Wissen neu zu verhandeln. Denn inzwischen wissen wir deutlich mehr darüber, was Gewässer belastet und wie ihre Resilienz angesichts des menschengemachten Klimawandels gestärkt werden kann.

Das gilt umso mehr, wenn immer wieder betont wird, dass die Oder als Wasserstraße kaum Relevanz hat. Dann müssen wir ehrlich darüber sprechen, ob weitere Ausbauplanungen politisch, ökologisch und finanziell noch vertretbar sind. Die Summen, die diese Planungen verschlingen, wären aus meiner Sicht besser in den Ausbau der Schieneninfrastruktur investiert, um Deutschland und Polen stärker miteinander zu verbinden.

Die Oder ist kein beliebig belastbarer Verkehrsweg. Sie ist ein verletzliches Ökosystem, ein Lebensraum und ein gemeinsamer europäischer Fluss. Die Forschung liegt auf dem Tisch. Jetzt müssen die politischen Konsequenzen folgen.

Weitere Infos zum Projekt und zu den Handlungsempfehlungen finden Sie hier.

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